In Theuern in die Barockzeit eintauchen
Ausprobieren und entdecken können die Menschen bei der Ausstellung „Barockerleben“. Sie war ab 16.06. bis 04.08.2019 im Schloss Theuern zu sehen.
Das ist keine klassische Ausstellung mit ursprünglichen barocken Werken oder barocken Überresten, die üblicherweise im Museum oder in einer Galerie zu sehen sind: Schlösser, Gemälde, Skulpturen, klassische Musik, Kleidungdieser Epoche: Und hier heißt es nicht „bitte nicht berühren“, hier steht nichts hinter Glas. Ganz im Gegenteil: Berühren ist gewollt.
Der Besucher kann so ein Teil werden des barocken Erbes, das sowohl in Böhmen als auch in Bayern sehr reich ist. „Barock erleben“ („Za barokem“!) heißt die bemerkenswerte Ausstellung in Theuern, die bis 4. August zu sehen ist– im Kultur-Schloss, das ebenso ein Zeuge des Barocks ist. Die Vernissage am Sonntag umrahmte stilecht das tschechische Sedlacek-Quartett, das dem Publikum Werke von Haydn, Mozart und Schubert zum Besten gab.
Es handelt sich um eine Ausstellung der Europäischen Union in Kooperation mit dem Freistaat Bayern und der Tschechischen Republik. Bis Mai war die Ausstellung „Barock erleben“ in Pilsen zusehen. Kuratorin Kristýna Jirátová und Veronika Křížková vom Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) sowie Tomáš Friedrich (Depo 2015 Pilsen) haben betont, dass die Ausstellung besonders für die Jugendkonzipiert sei. Wenn dann einer die Ausstellung verlasse in dem Bewusstsein, „jetzt weiß ich was Barock bedeutet und ist“, sei schon viel erreicht. „Wir wollen den Barock auf spielerische Weise rüberbringen, ihn erlebbar machen und auch diejenigen für den Barock begeistern, die bisher noch nicht so viel drüber wissen“, so Kristýna Jirátová.
Es wird auch viel getan und geboten: Die Ausstellung ist nicht nur Inspiration für Ausflüge zum tatsächlichen Reichtum desbarocken Kulturerbes von Böhmen und Bayern, von dem es heute noch unzählige Zeugen gibt, sondern auch eine spielerische Reise, um zu entdecken, was sich alles hinter dem Begriff Barock verbirgt. Der Besucher der Schau wird zum Architekten, denn er baut ein barockes Schloss oder Kloster. Er wird auch zum Komponisten und lässt barocke Instrumente erklingen oder kann selbst ein Instrument spielen.
Und schließlich: Für die kleinsten Besucher gibt es ein Karussell – wie es zur Barockzeit war. Die Gäste können zudem an den Düften des Barock schnuppern und ausprobieren, wie man selbst in einem barocken Gewand ausgesehen hätte. Die interaktiven Exponate bereichern die Ausstellung. Es gibt ein Kladrauer Archifon, eine Kopie des berühmten Barock-Altars aus dem tschechischen Kloster Kladrau, den die Besucher zum Leuchten und Klingen bringen können. Mit 3D-Brillen tritt man ein in das Innere von drei Barockdenkmälern, nämlich ins Schloss Manětín und das Kloster Chotěšov in der Tschechischen Republik und das Kloster Waldsassen in der nördlichen Oberpfalz. Der Rundgang beginnt mit der Projektion, wie ein Abt einen Novizen in das Kosterleben einführt. Unter den vielen Eröffnungsgästen befand sich auch Landrat Richard Reisinger. Dieser blickte auf die geschichtliche Verbundenheit von Böhmen und Bayern zurück – mit einem Faible für die tschechischen Nachbarn. Er sprach über die Goldene Straße nach Prag, über den Barock als Geisteshaltung und auch überseine Vita mit Wurzeln in Tschechien.
Über die Ausstellung „Barock erleben“ im Kultur-Schloss Theuern hinausdürften viele Besucher auch inspiriert werden, die Barockregion Böhmen Bayern selbst zu erkunden. Einer der Organisatoren ist neben Kulturista und Plzen2015 das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee, das als kulturelle Drehscheibe zwischen der Tschechischen Republik und Bayernfungiert. Es lässt grenzüberschreitende kulturelle Vielfalt erleben – mit Ausstellungen, Konzerten, literarischen Lesungen, Theaterprojekten, Workshops, Filmzyklen oder auch Diskussionen. Nicht zuletzt bietet es vielfältige Informationen.
Quelle: Klaus Högl, Mittelbayerische Zeitung am 19.06.2019

