Maria Thurn und Taxis: The Rules of the Game
Zuweilen erscheinen sie wie Wolpertinger, die Mischwesen, welche sich in den Arbeiten von Maria Thurn und Taxis tummeln. Anders als bei den Fabeltieren ihrer Heimat, lässt die in Regensburg geborene Künstlerin jedoch Abbildungen aus botanischen Überblickswerken, Darstellungen indigener Riten und Fragmente von Ballettpositionen in ihren Arbeiten zusammentreffen. Mit der von ihr favorisierten Technik der Collage, dem Aufkleben von disparaten Fragmenten unterschiedlichen Ursprungs, steht Thurn und Taxis nicht nur in der technischen, sondern auch motivischen Tradition des Surrealismus. Das groteske und morbide Erscheinungsbild der von ihr kreierten Illusionswelt scheint dabei ganz dem surrealistischen Leitsatz von Comte de Lautréamont zu folgen, der „Schönheit als die zufällige Begegnung einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Operationstisch“ definiert.
In ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung in Deutschland zeigt Maria Thurn und Taxis zudem das Video-Triptychon „Anodynes.“ Indem Sequenzen aus Hollywoodfilmen, Filmklassikern und Zeichentrickfilmen nebeneinander gezeigt werden, überträgt die Künstlerin das Collageverfahren auf das Medium des bewegten Bildes.
Maria Thurn und Taxis (*1980 in Regensburg, lebt in London) studierte Filmtheorie an der American University of Paris und Kunst am Camberwell College of Art sowie am Chelsea College of Art and Design der University of the Arts London. 2010 schloss sie ihren MA in Freier Kunst an der City and Guilds of London Art School ab. Ihre Arbeiten wurden international in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, u.a. in „Pars pro toto“ (mit Jörg Buttgereit), Art Berlin, Flughafen Tempelhof (2019), „Hypnagogia“, Siegfried Contemporary, London (2019), „Mademoiselle“, Centre régional d’Art Contemporain Occitanie, Sète (2018), „Gewölke am Abend“, Traklhaus, Salzburg (Einzelausstellung 2017), „Waywards“, Ebensperger, Berlin (2016), und „Shape Shifters (Cambia Formas)“, Galeria Slyzmud, Buenos Aires (2014).

