Pilsen 2015 informiert: Industriedenkmäler
Pilsen ist stolz auf seine zahlreichen Besonderheiten. Kaum jemand aber weiß, dass sich unsere Stadt eine ungewöhnlich großen Zahl von Industriedenkmälern rühmen kann, die zu kulturellen Zwecken neu genutzt werden. Obwohl dies weltweit schon seit Jahren im Trend liegt, wird in Tschechien erst jetzt mit dem Umbau von Industriedenkmälern begonnen. Eines der ersten ungewöhnlich genutzten Gebäude in Pilsen war die sog. Moving Station - der ehemalige Süd-Bahnhof (Jižní předměstí), der nun vom Bürgerverein Johan betrieben wird. Im Gegensatz dazu sind die im Mai letzten Jahres eröffneten Räumlichkeiten der ehemaligen Papierfabrik am Fluss Radbuza noch eine Neuigkeit in der Pilsner Kulturszene. Große Erwartungen sind mit der Wiederinstandsetzung der ehemaligen Brauerei und der Kasernen auf dem Světovar-Gelände verbunden, die bis zum Jahr 2015 abgeschlossen sein soll.
Moving Station Jižní předměstí / Vorstadt Süd
Der an der neu benannten Ivan-Magor-Jirous-Brücke gelegene ehemalige Bahnhof beherbergt heute Präsentations- und Residenzräume für unabhängige alternative Projekte hauptsächlich aus dem Bereich Performing Arts und bildende Kunst. Während seiner schon mehr als 10-jährigen Existens fanden bereits viele Freunde ungewöhnlicher Kunstformen den Weg zum sog. “Jižák”. Es finden dort Ausstellungen, Konzerte, Tanz- und Theatervorführungen und vieles mehr statt. Im Jahr 2013 ist ein Frühlingsfestival des neuen Theaters, eine weitere Ausgabe der Kunstplattform ArtBuffé, im Juni eine Kostprobe des Festivals “Tanec Praha” (Tanz Prag) und im September mehrere alternative Stücke im Rahmen des Festivals DIVADLO oder des 3. Projekts POU, diesmal mit dem Untertitel “aus Deutschland nach Pilsen” geplant.
Pap-rna
Ein gemeinsames Projekt des Bürgervereins Pilsen Live! und des Kreativstudios Petrohrad s.r.o. möchte einen interdisziplinären Raum für verschiedenste Kulturprogramme und -aktivitäten schaffen. Die erste Saison stand überwiegend im Zeichen des Tanzes. Im Sommer und Herbst letzten Jahres fanden in den neu renovierten Räumen mehrere Tanz-Workshops unter Leitung ausländischer Lektoren statt und die Pilsner TänzerInnen und MusikerInnen nutzten den renovierten Spiegelsaal und die angrenzenden Probenräume zunehmend für ihre Aktivitäten. Externe Projekte machten erfolgreich Station, z.B. im Rahmen des Festivals Tanec Praha, und der traditionelle Design Market Bizzar Bazaar fand nicht mehr in der Moving Station, sondern in den Räumlichkeiten der Pap-rna statt. Auch eine Ausstellung von Diplomarbeiten von Studenten des Bildhauer-Ateliers des Instituts für Kunst und Design fand hier statt.
Světovar – von der ehemaligen Brauerei zum modernen Kulturzentrum
Das Gebäude der Brauerei Světovar, welche seinerzeit die modernste Brauerei Österreich-Ungarns war, stammt aus dem Jahr 1910. Nach dem 2. Weltkrieg diente es als Kaserne. Die interessante industrielle Architektur litt zwar unter der Einquartierung der Armee, der ursprüngliche Geist des Ortes jedoch ging nicht verloren. Eben dieser Umstand spornte die Bemühungen um seine Restaurierung an. Im Rahmen des Projekts “Kulturhauptstadt Europas” wird sich das größte Gebäude auf dem Areal in ein modernes Kulturzentrum verwandeln, die so genannte “4×4 Cultural factory”. Dem Objekt steht eine behutsame Restaurierung bevor, die bereits im November dieses Jahres beginnen und Ende 2014 abgeschlossen werden soll. Im Jahr 2015 wird der Ort zu einem der Hauptschauplätze des Programms im Rahmen des Projekts “Kulturhauptstadt Europas”. Neben der Kulturfabrik soll hier auch das Stadtarchiv untergebracht werden. Als kommunales Zentrum soll es den Anwohnern aus der Umgebung, gemeinnützigen Organisationen, Kunststudenten und ausländischen Künstlern dienen, Veranstaltungen für Eltern mit Kindern und für Senioren sollen die Räume mit Leben füllen. Es werden Probenräume, Aterliers, Ausstellungsräume, Unterkünfte, ein Café und Gemeinschaftsbüros eingerichtet. Die Bezeichnung 4×4 steht für die Tatsache, dass vier eigenständige Säle zu Verfügung stehen werden, die sich im Bedarfsfall leicht mit einander verbinden lassen. Alle Säle werden hochwertige Holzböden und ein durchdachtes Beleuchtungssystem, sowie Backstagebereiche für verschiedenste Arten von Aktionen und weitere Ausstattung haben, die in Kulturzentren des 21. Jahrhunderts zum unverzichtbaren Standard gehören. Der momentane Betreiber von Světovar, die Gesellschaft Plzeň 2015, o. p. s., bemüht sich um eine Nutzung des Areals auch in dessen aktuellem Zustand. Im Laufe des vergangenen Jahres öffneten sich seine Tore mehrmals zu Ausstellungen, Konzerten, Workshops und Festivals verschiedenster Art. Im Jahr 2013 soll das Kulturprogramm mit einem noch reicheren und regelmäßigeren Angebot weiterlaufen. Der einstweilige Betrieb wird nur bis zum Herbst bestehen, wenn auf dem Gelände die Renovierungsarbeiten beginnen.
Ihr Pilsen 2015-Team

