Bräuche in Westböhmen: Maibaum und Johannistag
Noch bis 19.06.11 zeigt das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee die Ausstellung "Sitten und Bräuche in Westböhmen". Die Ausstellung des Ethnografische Museum Pilsen (Národopisné muzeum) informiert über die Traditionen und Bräuche in der Region Pilsen im Verlauf eines Kalenderjahres. An dieser Stelle veröffentlicht das CeBB die Ausstellungstexte passend zur jeweiligen Jahreszeit.
Maibaum
Die Walpurgisnacht wird manchmal auch Philippi Jacobi genannt. Diese Tradition besagt, wie die Hl. Walpurga, die zusammen mit den Hl. Jacobi und Philippi im 8. Jahrhundert das Evangelium verbreitete, ihre Unschuld beweisen musste. Sie stach einen trockenen Stock in den Boden und dieser wurde als Beweis grün. Das Aufstellen von Maibäumen findet angeblich als Erinnerung an diese Legende statt. Mehrere Quellen bezeichnen diese Tradition jedoch als Feier des Erwachens und Auflebens der Natur. Gegen Morgen stellten die Jungen vor den Häusern ihrer Mädchen kleine Maibäume und in der Mitte des Dorfplatzes einen großen Maibaum auf, der vor Überfällen des Gesindes aus den Nachbargemeinden geschützt werden musste. Nach dem Aufstellen des Maibaumes machte sich ein Umzug auf den Weg durch die Gemeinde, angeführt von einem König. Die Jungen spielten und sangen und erhielten dafür Geld. Nach dem Rundgang durch die Gemeinde wurde am Dorfplatz durch den Schreiber das Lob der Mädchen und die humorvolle Kritik der Nachbarn verlesen, am Ende des Auftrittes enthauptete der Henker einen Frosch oder Hahn und dann machten sich die Jungen auf Pferden auf Weisung des Büttels auf den Weg, um den König zu jagen. Falls ihn niemand fangen konnte, hatte er den ganzen Abend in der Gaststätte Getränke und Essen frei.
Neuer Feiertag / Hl. Johannes von Nepomuk
Zu den spezifischen und vergessenen Pilsner Feiertagen gehört der Neue Feiertag, der an die gescheiterte Eroberung der Stadt durch die Hussiten am 7. Mai 1434 erinnerte. Die Kirchenzeremonien wurden durch große und ausgelassene Umzüge der Bürger begleitet. 1870 wurde dieser Feiertag jedoch auf Wunsch der Bewohner abgeschafft. Sehr laute Feierlichkeiten waren auch mit dem Fest des Hl. Johannes von Nepomuk (16. Mai) verbunden. Ab dem frühen Morgen wurde in Pilsen geschossen, die Jungen aus der Stadt trafen sich am Fluss Mže und schossen den ganzen Tag ins Wasser, was wahrscheinlich mit dem Tod des Heiligen zusammenhängt.
Texte: Daniel Bechný, Abteilung für Volkskunde, Westböhmisches Museum in Pilsen





